FÜNF FRAGEN AN GISELA BÖHNKE    

 



Gisela Böhnke wurde am 17. Juli 1945 in Köln geboren. "Ich bin seit 40 Jahren mit demselben Mann verheiratet, habe 4 Kinder und 5 Enkelkinder, das 6. ist unterwegs", schreibt sie in ihrer Biografie. Und: "Alles weitere steht in den beantworteten Fragen". Wunderbar! Hier sind sie.

Frau Böhnke, sie gingen seinerzeit vom SWF zum Südfunk nach Stuttgart, um dort im dritten Hörfunkprogramm die Sendung „Pop am Morgen“, die in den Anfangsjahren parallel auch auf SWF3 lief, zu moderieren und zu etablieren. Wo hatten Sie zuvor Radio-Erfahrung gesammelt?

Nachdem ich beim Bayerischen Rundfunk im Bereich Jugendfunk 2 Jahre eingearbeitet wurde und beispielsweise 14-tägig den „Club 16“ moderiert habe (wurde damals vom Südfunk übernommen), wurde mir als ganz neue Sendung vom SWF in Baden-Baden ab Januar 1970 die tägliche Sendung „ SWF 3 Pop Shop“ für jeweils eine Woche mit Moderation und Redaktion angeboten, die ich dann für ein halbes Jahr übernahm. Das war die erste Pop-Sendung mit internationaler Musik, mit Interviews und Reportagen. Dadurch wurde man im Südfunk bei der Planung der „Pop am Morgen-Sendung“ auf mich aufmerksam. Am 2. Mai 1970 habe ich diese zunächst nur samstags ausgestrahlte Sendung erstmals moderiert. Zusätzlich erhielt ich noch weitere Sendungen auch in Südfunk 1, so dass sich der erneute Wechsel nach Stuttgart für mich lohnte.

Das Südfunk3-Programm glich damals noch einem Fleckerlteppich mit Elementen wie Schulfunk, Landfunk, Gastarbeiterprogrammen etc. Im Laufe der Jahre veränderte sich Südfunk 3, Ende der Siebziger wurde endlich ein Vollprogramm daraus. Wie beurteilen Sie rückblickend diese Entwicklung?

Es war eine Entwicklung aus einem „Gemischtwarenladen“, auch musikalisch, hin zu einem klaren Sendungsprofil mit internationaler Musik. Moderatoren und Redakteure arbeiteten im Sinne einer „Channel- Identity“ in einem Programm, entweder im 1. oder 3. 

Bei Südfunk 3 rechnete man nie mit ähnlich hohen Einschaltquoten wie sie etwa SWF 3 damals verbuchen konnte. "Dieses Programm hat dann Erfolg, wenn es gelingt, die Mehrheit der Minderheit zu gewinnen", lautete damals die Vorgabe im Stuttgarter Funkhaus. Wurde diese optimal umgesetzt?

Ja, diese Vorgabe des damaligen Programmchefs wurde optimal umgesetzt. SWF3 als Vollprogramm mit internationaler Musik war uns zeitlich weit voraus, diesen Vorsprung konnten wir nie aufholen. Außerdem gab es im Südfunk auch das starke Südfunk 1-Programm, das man nicht gefährden durfte. 



Sie haben im Laufe der Jahre mehrere Programmformate für SDR 3 entwickelt. Vor allem eine Sendung besitzt heute noch Kultstatus: „Dr. Music“. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Quiz? 

Die Sendezeit für „Dr. Musik“ war zunächst sehr beliebig, abends 20.00 bis 22.00 Uhr. Eine Zeit, die einmal wöchentlich „gefüllt“ werden musste, wenn der Sport kein Angebot hatte. Aufgrund des sich sehr schnell einstellenden Erfolgs bekam ich dann den festen Sendeplatz. Meine Idee, Hörerbeteiligung mit Musikwissen zu verknüpfen, war für mich ideal, da ich schon in jungen Jahren im Elternhaus sehr viel amerikanische / englische Musik zu hören bekam, denn meine Eltern waren große Fans der Sendungen von AFN und BFBS.

Würde es Sie heute noch reizen, beim Radio zu arbeiten?

Ich finde Radio nach wie vor total spannend als Medium und höre auch die verschiedensten Programme deutschlandweit. Insbesondere die Musikprogramme mit neuer deutscher Popmusik gemischt mit Rockmusik der letzten Jahrzehnte favorisiere ich, wobei aktuelle Informationen - gerne auch länger als 2:30 - ebenfalls nicht zu kurz kommen dürfen. Meine aktive Zeit ist vorbei. Ich wollte nach dem SWR, in dem ich so viele Möglichkeiten hatte, in keinem Privatsender arbeiten. Ich bin jetzt nebenbei noch journalistisch tätig, schreibe Rezensionen und Reiseberichte – hin und wieder, wie ich Lust und Laune habe. Ich finde SWR3 ist mit Recht eines der erfolgreichsten Programme bundesweit und vor allem auch ein anspruchsvolles Programm. Wenn ich mehr Infos will stehen mir ja heutzutage einige Infokanäle bereichernd zur Verfügung.

Frau Böhnke, vielen Dank für das Gespräch.