1990 bis 1998             


SDR 3 beschritt Anfang der Neunziger neue Wege. Um sich gegenüber der (meist privaten) Konkurrenz zu positionieren, bekam das Programm erstmals einen Claim aufgedrückt: "Radio für den wilden Süden". Als weiterer Schritt zur Steigerung der Hörerbindung wurde der "Club Wilder Süden" ins Leben gerufen. In mehreren Städten Baden-Württembergs wurden in der Folge 'Club-Houses' mit gläserner Front eingerichtet (so etwa im Stuttgarter Hauptbahnhof), aus denen stundenweise live gesendet wurde. Die Club-Houses dienten zudem zum Merchandising: Plötzlich gab es allerlei SDR-3-Utensilien wie Feuerzeuge, Windjacken etc. Um den Club-Mitgliedern auch im Programm eine regelmäßige Plattform zu bieten, wurde die Sendung 'Club-Radio' ins Programm gehoben, die von Montag bis Freitag zwischen 13.00 und 14.00 zu hören war.

Die 'Aktuellen' von SDR 3: (v.lks.) Walter.Schlagenhaufer, Ute Drissen, Hans-Peter Archner, Stefan Siller. Sie moderierten bis zur Mega-Hitparade vor der Fusion am 31. August 1998 die beiden SDR 3 Aktuell Sendungen von 12.00 bis 13.00 Uhr und 16.00 bis 17.00 Uhr. Stefan Siller ist heute in der Sendung "Leute" auf SWR 1 Baden-Württemberg zu hören. 

 

 

Das Team von SDR 3: (stehend v.lks.) Rose Gamerdinger, Thomas Schmidt, Matthias Holtmann, Joachim Müller, Brigite Egelhaaf, Walter Schlagenhaufer, Stefan Siller, Ulrich Szablewski, Hans-Peter Archner, Patrick Neelmeier, Wolfgang Heim, Janet Pollock, Michel Weber, Connie Weckert, Christian Pitschmann; (sitzend v.lks) Günther Schneidewind, Annette Strobel, Ute Drissen, Michael Ries, Petra Rietl. 

Nach dem durchschlagendem Erfolg der 'Top 1000x' im Jahre 1989 setzte SDR 3 zudem den Mega-Hitparaden-Kult fort. Zusammen mit DT 64, dem ehemaligen Jugendradio der DDR, sendete man im August 1990 die 'Top 2000 D'. Mit dabei waren zwei Kollegen von DT 64. Einer der beiden Moderatoren, Günther Schneidewind, wechselte schon kurz nach der Hitparaden-Aktion zu SDR 3, heute ist er regelmäßig auf SWR 1 Baden-Württemberg zu hören. Im August 1994 folgte schließlich die 'Top 1000xl' in Zusammenarbeit mit mehreren anderen europäischen Radiosendern.

Im Jahre 1995 gab es auf SDR 3 noch einmal eine kleine Programmreform. Mit 'Heute im Stadion' verschwand die letzte Sportsendung aus dem dritten Hörfunkprogramm; sie ging zu SDR 1 über. Das sonntägliche Sportmagazin war bereits 1991 durch die 'Playtime' ersetzt worden, die jeden Sonntag von 13.00 bis 18.00 lief. Das Programmschema vom Januar 1995 wurde in der Folgezeit nicht mehr verändert und hatte somit bis zum Ende von SDR 3 im August 1998 Bestand. Bereits im Jahre 1996 zeichnete sich ab, dass eine Fusion des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart mit dem Südwestfunk Baden-Baden unausweichlich sein würde. Als die Fusionspläne wenig später öffentlich wurden, führte dies zu heftigen Hörer-Protesten im Sendegebiet des SDR. Diese konnten den Vollzug letztendlich aber nicht verhindern. Zumindest fanden sich nach der Fusion bewährte Programm-Elemente von SDR 3 in SWR 1 Baden-Württemberg wieder.

Die Fusion erfolgte - und zumindest das war noch einmal SDR-3-Kult - mit einer Mega-Hitparade: 'Start ins Wildall' nannte sich der Countdown, der von SDR 3 und SWF 3 gemeinsam vom 23. bis 30. August 1998 ausgestrahlt wurde. Am 31. August verschmolzen beide Programme dann zum neuen SWR 3. Ein Teil der SDR-Moderatoren und -Redakteure wechselte nach Baden-Baden, wo das dritte Programm nun gefahren wurde, viele blieben jedoch in Stuttgart und moderierten in der Folge auf SWR 1 Baden-Württemberg. Zu den 'Rückkehrern' aus Baden-Baden gehört Matthias Holtmann, der seit 2005 ebenfalls auf SWR 1 zu hören ist.

----->Programmschemata der Neunziger


Persönliche Anmerkung des Autors: Der 31. August 1998 war zweifelsohne ein trauriger Tag in der Radio-Geschichte. Mit SDR 3 verschwand ein Programm von der Bildfläche, das sich bis zuletzt noch einen Funken Individualität bewahrt hatte. Und sei es nur durch die kultigen Mega-Hitparaden. Die wahren Fans von SDR 3 fanden das Programm in den Neunzigern bereits zu glatt, sie erinnerten sich wehmütig an die späten Siebziger und die Achtziger. Heute - viele Jahre nach dem Ende von SDR 3 - wäre man jedoch froh, überhaupt wieder ein derartiges Programm angeboten zu bekommen. In der heutigen Radiolandschaft Deutschlands herrscht Einheitsbrei pur: Eine Musiktitel-Rotation von 200 Songs ist beinahe schon Standard, der Informationsgehalt beschränkt sich meist auf maximal dreiminütige Weltnachrichten pro Stunde. Die anfängliche Privatradio-Aufbruchsstimmung ist Ernüchterung gewichen; vor allem, da viele öffentlich-rechtliche Programme heute klingen wie ihre private Konkurrenz. Hoch anrechnen muss man es den Radiomachern im Stuttgarter Funkhaus daher, dass sie sich mit SWR 1 Baden-Württemberg zumindest einen Teil Vergangenheit bewahrt haben. Vergangenheit bedeutet in diesem Fall nicht, dass hier 'ewig Gestrige' am Werk sind, sondern dass über weite Strecken noch redaktionelle Inhalte für eine anspruchsvolle Zielgruppe ausgestrahlt werden. Musikalisch präsentiert man sich immer noch außergewöhnlich abwechslungsreich, auch wenn natürlich der Anteil an Oldies aus den Sechzigern wesentlich höher ist als im ehemaligen SDR-3-Programm.